Die drei Hauptmodelle
Die Solarfinanzierung in der Schweiz hat sich über einfache Bankdarlehen hinaus entwickelt. Drei Strukturen konkurrieren heute um Haus- und Gebäudeeigentümer, die eine Photovoltaikanlage ohne volles Kapitaleinsatz wünschen:
- Direktkauf — Sie besitzen die Anlage, beziehen die EIV und behalten alle Einsparungen
- Solar-PPA (Stromabnahmevertrag) — ein Anbieter installiert die Anlage kostenlos; Sie kaufen den erzeugten Strom zu einem vertraglich vereinbarten Preis
- Dachvermietung / Betriebsleasing — der Anbieter zahlt Ihnen eine Dachmietgebühr und verkauft den Strom anderweitig; Sie profitieren nicht direkt von der Solarenergie
Ein viertes Modell — Solarcontracting über Energiedienstleistungsunternehmen (ESCOs) — ist vor allem bei Gewerbe- und Mehrfamilienhäusern verbreitet, weniger bei Einfamilienhäusern.
Wie ein Schweizer Solar-PPA funktioniert
Beim Stromabnahmevertrag gilt:
- Ein Energieunternehmen (z. B. Helion, SunGrid oder eine Tochtergesellschaft eines Versorgungsunternehmens) finanziert, installiert und besitzt die Solaranlage auf Ihrem Dach
- Sie unterzeichnen einen Vertrag — in der Regel 15 bis 25 Jahre — und kaufen den gesamten oder einen Grossteil des erzeugten Solarstroms zu einem festen oder indexgebundenen Tarif in CHF pro kWh
- Der PPA-Tarif liegt üblicherweise unter Ihrem aktuellen Netzstromtarif — typischerweise CHF 0,17–0,22/kWh gegenüber CHF 0,25–0,29/kWh für Netzstrom
- Wartung und Versicherung bleiben Sache des Anbieters
- Nach Vertragsende haben Sie möglicherweise die Möglichkeit, die Anlage zum Restwert zu kaufen oder entfernen zu lassen
Sie sparen von Anfang an Geld ohne Vorabkosten. Die Einsparungen sind jedoch geringer als beim Eigentum — und Sie erhalten keine Pronovo-EIV-Rückvergütung (diese erhält der Anlagenbesitzer).
Wie ein Dachvermietungsmodell funktioniert
Bei einer Dachvermietungsvereinbarung gilt:
- Der Anbieter installiert Solarpanels auf Ihrem Dach und verbindet sie mit dem Netz
- Sie erhalten eine Dachmietgebühr — typischerweise CHF 500–2'000 pro Jahr, je nach Dachgrösse und Kanton
- Der Anbieter beansprucht die EIV und behält alle Stromerlöse
- Ihre eigenen Stromrechnungen bleiben unverändert — Sie zahlen weiterhin volle Netztarife
Dieses Modell eignet sich für Hauseigentümer, die Solarstrom nicht selbst verbrauchen können (z. B. tagsüber meist abwesend, kein Elektrofahrzeug, keine Wärmepumpe), aber ein passives Einkommen aus einem ungenutzten Dach wünschen.
Finanzvergleich für ein typisches 10-kWp-System
| Modell | Vorabkosten | Jährliche Einsparung / Einnahmen | 20-Jahres-Gesamtnutzen | Anlage im Eigentum? |
|---|---|---|---|---|
| Direktkauf | CHF 21'000 (netto nach EIV) | CHF 1'600–2'200 | CHF 32'000–44'000 | Ja |
| Solar-PPA | CHF 0 | CHF 600–1'000 | CHF 12'000–20'000 | Nein |
| Dachvermietung | CHF 0 | CHF 700–1'500 (Miete) | CHF 14'000–30'000 | Nein |
Das Volleigentum erzielt für Hauseigentümer mit Zugang zu Finanzierungen die stärkste 20-Jahres-Rendite. PPAs und Dachvermietung sind sinnvoll, wenn kein Kapital verfügbar ist oder wenn die Eigentumsstruktur der Immobilie ein Volleigentum unpraktisch macht.
Wann ein PPA sinnvoll ist
- Mietobjekte: Vermieter, die Installationskosten nicht einfach an Mieter weitergeben können, aber grüne Energie anbieten möchten
- Gewerbliche Mieter: Unternehmen, die ihre Räumlichkeiten mieten, haben kein Recht, Dachanlagen zu installieren
- Begrenzte Kreditwürdigkeit: Hauseigentümer, die keine Grünhypothek erhalten oder keine Ersparnisse haben
- Kurzer Planungshorizont: Wenn Sie planen, die Immobilie in weniger als fünf Jahren zu verkaufen, kann ein PPA mit der Immobilie übertragen werden — der neue Eigentümer muss den Vertrag jedoch übernehmen
PPA-Risiken, die Sie kennen sollten
- Lange Bindung: Ein heute unterzeichneter 20-Jahres-PPA bindet Sie an eine Tarifstruktur, die weniger attraktiv erscheinen kann, sollten die Netzpreise sinken (möglich, wenn auch angesichts der aktuellen Schweizer Energietrends unwahrscheinlich)
- Komplexität beim Immobilienverkauf: PPA-Verträge müssen auf den neuen Eigentümer übertragen werden; manche Käufer empfinden dies als nachteilig
- Preisanpassungsklauseln: Einige PPAs knüpfen den Jahreszins an den Schweizer Konsumentenpreisindex — prüfen Sie die Eskalationsklausel
- Bonität des Anbieters: Verlässt der Anbieter den Markt, können Vertragsfortführung und Wartung problematisch werden
Grünhypotheken als Alternative
Viele Schweizer Banken — darunter Raiffeisen, ZKB und PostFinance — bieten vergünstigte Hypothekenzinsen für Immobilien an, die Energieeffizienzkriterien erfüllen, einschliesslich der Installation einer Photovoltaikanlage. Eine Grünhypothek über CHF 20'000–30'000 zu 0,2–0,4% unter dem Standardsatz dreht das finanzielle Kalkül eines PPAs buchstäblich um: Sie können die Anlage zu ähnlichen monatlichen Kosten wie bei einem PPA-Vertrag besitzen und behalten dabei alle Einsparungen sowie die EIV-Rückvergütung.