In dem Moment, in dem Sie ein neues Elektrofahrzeug in der Schweiz nach Hause fahren, verändert sich Ihr Verhältnis zur Elektrizität dauerhaft. Die Benzinkosten werden durch Kilowattstunden ersetzt, und plötzlich wird der Nutzen einer Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher dramatisch grösser. Bei Schweizer Endkundenpreisen für Strom zwischen 28 und 38 Rp./kWh — je nach Kanton und Tarif — kostet das Laden eines Elektrofahrzeugs zu Hause aus dem Netz rund CHF 1'500–2'000 pro Jahr für einen typischen Fahrer mit 15'000 km jährlicher Fahrleistung.
Eine Photovoltaikanlage deckt diese Kosten — aber nur, wenn das System korrekt dimensioniert ist.
Schritt 1 — Den Strombedarf Ihres Elektrofahrzeugs ermitteln
Der erste Schritt besteht darin, den jährlichen Stromverbrauch Ihres Elektrofahrzeugs zu berechnen. Aufgrund der Schweizer Strassenverhältnisse und Geschwindigkeitsbegrenzungen liegt der reale Verbrauch typischerweise bei 17–23 kWh pro 100 km.
Beispiel:
- Jährliche Fahrleistung: 15'000 km
- Fahrzeug: Tesla Model Y Long Range (18 kWh/100 km im Realbetrieb)
- Jährlicher EV-Stromverbrauch: 15'000 × 0,18 = 2'700 kWh
Addieren Sie diesen Wert zu Ihrem bestehenden Haushaltsverbrauch, bevor Sie die Photovoltaikanlage dimensionieren.
| Haushaltsgrösse | Grundverbrauch | EV-Zusatz | Gesamt |
|---|---|---|---|
| 2 Personen, kein EV | 3'500 kWh | — | 3'500 kWh |
| 2 Personen + 1 EV | 3'500 kWh | 2'700 kWh | 6'200 kWh |
| 4 Personen + 1 EV | 5'000 kWh | 2'700 kWh | 7'700 kWh |
| 4 Personen + 2 EVs | 5'000 kWh | 5'400 kWh | 10'400 kWh |
Schritt 2 — Die Photovoltaikanlage dimensionieren
Als Referenzpunkt dient Zürich (spezifischer Ertrag ca. 1'000 kWh/kWp):
Benötigte kWp = (Jährlicher Gesamtbedarf in kWh × 0,70 Zielabdeckung) ÷ 1'000
Für einen 4-Personen-Haushalt mit einem Elektrofahrzeug (7'700 kWh gesamt):
(7'700 × 0,70) ÷ 1'000 = 5,39 kWp Minimum
In der Praxis — unter Berücksichtigung saisonaler Schwankungen und Dachverluste — ist eine Anlage mit 9–12 kWp für diesen Haushalt im Raum Zürich angemessen.
Schritt 3 — Das Problem, das Solarstrom allein nicht lösen kann
Hier liegt die eigentliche Herausforderung: Eine Photovoltaikanlage produziert Strom hauptsächlich zwischen 9 und 17 Uhr. Die meisten Schweizer EV-Fahrer laden ihr Fahrzeug jedoch nachts oder abends zu Hause. Ohne Batteriespeicher können Sie Ihr Elektrofahrzeug nicht direkt mit dem solaren Überschuss laden — Sie exportieren mittäglichen Solarstrom zu niedrigen Einspeisevergütungen und importieren nachts teuren Netzstrom.
Ein 10-kWh-Speicher (z. B. BYD HVM oder Fronius GEN24 + BYD-Stapel) speichert den mittäglichen Überschuss und gibt ihn am Abend ab, wodurch der Eigenverbrauch bei einem typischen Schweizer Haushalt von ca. 30 % auf 65–70 % steigt. Für die EV-Ladung bedeutet dies, dass ein erheblicher Teil Ihres EV-Strombedarfs durch Ihren eigenen Solarstrom gedeckt wird.
Schritt 4 — Integration des intelligenten Ladens
Für maximale Effizienz bei der Solar-zu-EV-Übertragung sollte Ihre Wallbox Überschussladen unterstützen — also die Ladeleistung dynamisch an die aktuelle Solarproduktion anpassen. Wallboxen mit dieser Funktion in der Schweiz umfassen:
- Zaptec Go (über Zaptec Portal API + Wechselrichter-Integration)
- Easee Home (über Easee Equalizer)
- Fronius Wattpilot (nativ integriert mit Fronius GEN24 Wechselrichtern — die nahtloseste Schweizer Option)
Der Fronius Wattpilot ist besonders hervorzuheben: Er ist die einzige Wallbox auf dem Schweizer Markt mit nativer Integration in Fronius-Wechselrichter ohne API-Konfiguration. Sie passt die Ladeleistung automatisch auf den nächsten 100-W-Schritt an den aktuellen Solarüberschuss an.
Winterladung — Die saisonale Herausforderung der Schweiz
Im Dezember und Januar produziert eine 10-kWp-Anlage in Zürich rund 350–450 kWh — gegenüber 1'200–1'400 kWh im Juni und Juli. Ein Elektrofahrzeug mit 15'000 km Jahresleistung benötigt etwa 225 kWh pro Monat (konstant). Der Solarstrom im Winter deckt den EV-Ladebedarf von November bis Februar zu etwa 30–40 %.
Die ehrliche Antwort: Eine vollständige Abdeckung des EV-Ladebedarfs durch Solarstrom das ganze Jahr über ist in der Schweiz ohne ein sehr grosses System (15+ kWp) oder erhebliche Batteriespeicherkapazität (20+ kWh) nicht erreichbar. Planen Sie für eine 70–80%ige jährliche Solarabdeckung und akzeptieren Sie Netznachladungen im Winter — dies entspricht immer noch einem sehr starken wirtschaftlichen und ökologischen Ergebnis.