Eine der häufigsten Fragen von Schweizer Hausbesitzern, die sich für Solar interessieren, lautet: „Wie viele Kilowattpeak brauche ich eigentlich?” Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an — aber auf eine präzise, berechenbare Weise. Wenn Sie die Variablen verstehen, können Sie jedes Installateurangebot auf Plausibilität prüfen und eine fundierte Entscheidung treffen.
Schweizer Solarstrahlung: Warum der Standort entscheidend ist
Die Schweiz weist mehr Variation beim Solarertrag auf, als ihre geringe Fläche vermuten lässt. Das Bundesamt für Energie (BFE/SFOE) und Meteotest veröffentlichen kantonale Einstrahlungsdaten, die die Grundlage jeder professionellen Ertragsschätzung bilden.
| Stadt | Jahreseinstrahlung (kWh/m²) | Spezifischer Ertrag (kWh/kWp) |
|---|---|---|
| Zürich | ~1'100 | ~950–1'050 |
| Bern | ~1'150 | ~980–1'080 |
| Genf | ~1'300 | ~1'100–1'200 |
| Lugano | ~1'450 | ~1'200–1'350 |
| Davos (alpin) | ~1'350 | ~1'150–1'300 |
Genf und Lugano profitieren von mehr Sonnentagen und seltenerem Hochnebel, der im Mittelland besonders im Herbst und Winter den Solarertrag regelmässig drückt.
Die grundlegende Dimensionierungsformel
Ausgangspunkt jeder Dimensionierung ist Ihr Jahresstromverbrauch. Schweizer Haushalte verbrauchen im Schnitt rund 3'500 bis 5'500 kWh pro Jahr; Elektrofahrzeuge können diesen Wert auf 7'000–10'000 kWh erhöhen.
Schritt 1 — Zielabdeckungsgrad festlegen. Die meisten Schweizer Haushalte streben eine Solar-Eigenversorgungsquote von 60–80 % an. Höhere Quoten erfordern entweder erhebliche Batteriespeicher oder eine Akzeptanz grosser saisonaler Überschüsse, die ins Netz eingespeist werden.
Schritt 2 — Benötigte kWp berechnen:
Benötigte kWp = (Jahresverbrauch kWh × Abdeckungsgrad) ÷ Spezifischer Ertrag kWh/kWp
Beispiel — Zürcher Haushalt, 5'000 kWh/Jahr, 70 % Ziel:
(5'000 × 0,70) ÷ 1'000 = 3,5 kWp Minimum
In der Praxis empfehlen die meisten Installateure für ein typisches Zürcher Einfamilienhaus 5–8 kWp, um saisonale Schwankungen und Ladereserven für Elektrofahrzeuge zu berücksichtigen.
Wichtige Dimensionierungsvariablen
Dachausrichtung und Neigung
Ein südausgerichtetes Dach mit 30° Neigung ist der Schweizer Referenzfall. Abweichungen reduzieren den Ertrag:
- Südost oder Südwest: rund 5–10 % Reduktion
- Ost oder West: rund 20–30 % Reduktion
- Flachdach (mit Aufständerung): rund 10–15 % unter Optimum, ermöglicht aber ideale Ausrichtung
Beschattung
Selbst teilweise Beschattung durch Kamine, Gauben oder benachbarte Gebäude kann den Ertrag erheblich mindern. Moderne String-Wechselrichter mit Leistungsoptimierern (SolarEdge) oder Mikrowechselrichter-Systeme (Enphase) mildern dies, können aber eine starke Beschattung nicht vollständig kompensieren. Es lohnt sich, vom Installateur eine professionelle Beschattungsanalyse mit PVsyst oder PVGIS anzufordern.
Elektrofahrzeuge
Ein typisches Elektrofahrzeug, das in der Schweiz 15'000 km pro Jahr fährt, benötigt rund 2'500–3'500 kWh zusätzliche Elektrizität jährlich (bei 17–23 kWh/100 km). Wenn Sie vorwiegend mit Solarstrom laden möchten, addieren Sie diesen Wert zum Grundverbrauch vor der Dimensionierung.
Batteriespeicher
Die Hinzunahme eines 10-kWh-Speichers (z. B. BYD HVM oder Fronius Symo GEN24 + BYD) hebt den Eigenverbrauch typischerweise von rund 30 % auf 60–70 %, ohne die Grösse der Photovoltaikanlage zu verändern. Das ist oft kosteneffizienter als eine Überdimensionierung der Module.
Praxisnahe Dimensierungsempfehlungen nach Haushaltstyp
- 2-Personen-Haushalt, kein E-Fahrzeug, Bern: 4–6 kWp
- 4-Personen-Haushalt, kein E-Fahrzeug, Zürich: 6–9 kWp
- 4-Personen-Haushalt + 1 E-Fahrzeug, Zürich: 9–12 kWp
- 4-Personen-Haushalt + 2 E-Fahrzeuge, Genf: 12–16 kWp
- Landhaushalt mit Wärmepumpe, beliebige Region: 12–20 kWp
Alpin-Bonus: Kälte steigert den Ertrag
Solarmodule sind Halbleiter — sie arbeiten bei Kälte effizienter. Standardtestbedingungen (STC) setzen eine Zelltemperatur von 25 °C voraus. Bei den für Schweizer Frühling und Herbst typischen Durchschnittstemperaturen von 10–15 °C produzieren moderne Module 3–5 % mehr als ihre Nennleistung. Dieser alpine Kältebonus ist ein echter Ertragsvorteil gegenüber Solaranlagen in wärmeren europäischen Ländern.