Warum Fehler auf dem Schweizer Markt passieren
Die Installationsrate von Solaranlagen in der Schweiz ist seit 2022 stark gestiegen, angetrieben durch hohe Strompreise und den bundesrätlichen Kurs in Richtung Energiestrategie 2050 und Netto-Null. Die Installationsbelegschaft hat sich schnell vergrössert – nicht immer mit ausreichender Qualitätskontrolle. Die Kantone variieren darin, wie streng sie abgeschlossene Installationen prüfen, und das Pronovo-EIV-Antragsverfahren schliesst keine physische Vor-Ort-Inspektion ein.
Das Ergebnis: Ein erheblicher Anteil der Schweizer Dachsysteme weist mindestens einen Installationsmangel auf. Die meisten sind geringfügig; einige sind gravierend und beeinträchtigen Sicherheit oder langfristigen Ertrag.
Fehler 1: Verschattung nicht korrekt modelliert
Was passiert: Der Installateur verwendet ein einfaches Online-Tool zur Ertragsschätzung, ohne umliegende Bäume, Gauben, Kamine oder Nachbargebäude korrekt zu modellieren. Das System erbringt von Anfang an unterdurchschnittliche Leistung.
So vermeiden Sie es: Verlangen Sie eine Polysun-Simulation oder gleichwertiges Tool mit einer standortspezifischen Verschattungsanalyse. Für Systeme, bei denen Teilverschattung unvermeidbar ist, bestehen Sie auf Leistungsoptimierern auf Modulebene (SolarEdge oder Tigo) oder einer Mikrowechselrichter-Lösung – diese begrenzen die Verluste auf Stringebene, wenn ein verschattetes Modul das gesamte Array beeinträchtigt.
Fehler 2: Unterdimensionierte oder falsch verlegte Gleichstromkabel
Was passiert: Die DC-Kabel zwischen Modulen und Wechselrichter sind für den tatsächlichen Strom unterdimensioniert, was zu Widerstandsverlusten von 2–5 % pro Jahr führt, und im schlimmsten Fall zu lokaler Überhitzung. Ohne UV-Schutz verlegte Kabel degradieren in alpinen UV-Bedingungen vorzeitig.
So vermeiden Sie es: Bitten Sie Ihren Installateur, den Kabelquerschnitt anzugeben (typischerweise 4 mm² oder 6 mm² bei Wohngebäude-Leitungen) und bestätigen Sie, dass die Kabel für Ausseneinsatz mit UV-Einwirkung geprüft sind. In Dachräumen sollten Sie darauf achten, dass Kabel nicht eng gebündelt ohne Belüftung verlegt sind – Wärmestau beschleunigt den Isolationsverschleiss.
Fehler 3: Kein DC-Trennschalter oder falsch installierter Trennschalter
Was passiert: Schweizer Brandschutzvorschriften und der VSE-EEA-CH-Standard verlangen einen zugänglichen DC-Trennschalter zwischen Modulen und Wechselrichter. Fehlende oder falsch dimensionierte Trennschalter stellen sowohl einen Verstoss gegen Vorschriften als auch ein echtes Brandrisiko dar.
So vermeiden Sie es: Bestätigen Sie, dass das Inbetriebnahmeprotokoll explizit die DC-Hauptabschaltvorrichtung, ihren Standort sowie ihre Spannungs- und Strombewertung aufführt. Dieser Punkt wird bei einigen kantonalen Inspektionen geprüft, aber nicht flächendeckend.
Fehler 4: Falsche Einstellung der Wechselrichter-Einspeisebegrenzung
Was passiert: Viele Schweizer Netzbetreiber legen eine maximale Einspeiseleistung fest (z. B. 3,68 kW bei einem einphasigen Anschluss). Wird der Wechselrichter nicht entsprechend konfiguriert, kann der Netzbetreiber eine kostspielige Nachbesserung fordern oder den Einspeisevertrag kündigen.
So vermeiden Sie es: Klären Sie vor der Installation die Einspeiseregeln Ihres lokalen Verteilnetzbetreibers (VNB). Lassen Sie sich nach der Installation vom Installateur die Einstellung der Einspeisebegrenzung im Inbetriebnahmedokument zeigen.
Fehler 5: Fehlende oder unvollständige Pronovo-Registrierung
Was passiert: Der Hausbesitzer verpasst das dreimonatige Pronovo-Anmeldefenster nach der Inbetriebnahme – oder der Installateur gibt das falsche Inbetriebnahmedatum an – und der EIV-Antrag wird abgelehnt.
So vermeiden Sie es: Klären Sie im Installateurvertrag, wer für die Pronovo-Registrierung verantwortlich ist. Seriöse Installateure übernehmen dies als Teil ihres Service. Halten Sie das Inbetriebnahmedatum schriftlich fest und setzen Sie eine Kalendererinnerung für die 10. Woche, falls der Installateur die Einreichung noch nicht bestätigt hat.
Fehler 6: Dachdurchdringungen ohne ordnungsgemässe Abdichtung
Was passiert: Montagefüsse werden ohne geeignete Abdichtung durch die Dacheindeckung befestigt, was zu Lecks führt – oft nicht sofort sichtbar. In der Schweiz mit hohem Niederschlag und Frostabwechselzyklen in den Alpen können Wasserschäden erheblich sein.
So vermeiden Sie es: Verlangen Sie einen Post-Installationsbericht zum Dachzustand, idealerweise von Ihrem Dachdecker. Bei neueren Schweizer Dächern mit Membranabdichtung sollten Sie bestätigen, dass der Installateur kompatible Montageelemente und Dichtmassen verwendet.
Fehler 7: Batterie ohne ausreichende Belüftung installiert
Was passiert: Lithium-Ionen-Batterien (BYD HVM, Sonnen eco, Tesla Powerwall) werden in Räumen mit unzureichender Belüftung installiert. Obwohl moderne LFP-Batterien wesentlich sicherer sind als ältere Chemien, schreiben die Installationsanleitungen aller Hersteller Mindestanforderungen an die Luftzirkulation vor.
So vermeiden Sie es: Prüfen Sie den Installationsort vor dem Installationstag anhand der technischen Anleitungen des Batterieherstellers. Die meisten Schweizer Batterieinstallationen funktionieren gut in Technikräumen oder Garagen mit natürlicher Belüftung.
Häufige Installationsfehler im Überblick
| Fehler | Typische Kosten | Vorbeugung |
|---|---|---|
| Verschattung nicht modelliert | CHF 300–800/Jahr Ertragsverlust | Polysun-Bericht anfordern |
| Unterdimensionierte DC-Kabel | 2–5 % jährlicher Ertragsverlust | Kabelquerschnitt spezifizieren |
| Fehlender DC-Trennschalter | Verstoss + Nachbesserung | Inbetriebnahmeprotokoll prüfen |
| Falsche Einspeisebegrenzung | Netzbetreiberbusse oder Abschaltung | VNB-Regeln vor Installation klären |
| Verspätete Pronovo-Registrierung | EIV-Vergütung verloren (CHF 5'000–15'000) | Verantwortung im Vertrag festlegen |
| Schlechte Dachabdichtung | Wasserschaden (CHF 2'000–10'000+) | Post-Install-Dachinspeltion |
| Belüftungsmangel Batterie | Garantieverlust | Herstellerspezifikationen prüfen |